In auffälliger Pose drückt ein gut situierter Herr aus dem Bürgertum eine Grundhaltung aus. In bester Kleidung mit Melone, Gehrock und Spazierstock betrachtet er das Ganze stolz und gelassen selbstbewusst zugleich. Zur Kugel hinschauend zeigt er, wie er die Welt sieht, wie er sich da einordnet, wohlwissend, was um 1700 der Bauherr des Karlsberges mit der linearen Anlage von Herkulesfigur auf dem Oktogon und großer Kaskade hinunter Richtung (geplantem) Schloss bezweckte. Die Kugel, mehr als 100 Jahre später hier aufgestellt, gehört dazu. Sie ist einer von zwei Globen. Auf dem im Foto abgebildeten ist reliefartig die damals geografisch erfasste Welt herausgearbeitet. Der zweite, vom Betrachter aus gesehen am Rand der Schlosstreppen rechts platziert, zeigt den Sternenhimmel.
Sichtachse und Platzierung der Kugel passen also zusammen, denn der Karlsberg ist eine Anlage von Weltgeltung, das Monument und das Wassertheater sind einzigartig. Landgraf Karl hat diese Inszenierung veranlasst. Er präsentiert sich als einflussreicher, wohlhabender Fürst, der sich dem französischen Herrscher (Ludwig XIV.) am Rhein erfolgreich entgegengestellt hat, bei der Verteidigung der linksrheinischen, hessischen Burg Rheinfels. Karls Kalkül ist offensichtlich: Jetzt müsste mir der deutsche Kaiser in Wien endlich die ersehnte Königswürde zuteilen. Das Motiv des Landgrafen ist sicher die persönliche Rangerhöhung im Konzert der so zahlreichen deutschen Fürsten, in erster Linie aber will er das Haus Hessen-Kassel durch den Status Königreich absichern.
Fliest das Wissen um diesen Zusammenhang nicht in die Bildkomposition ein?
Schauen wir uns weiter die Personen an, die sich den abklingenden Wasserspielen zuwenden. Es sind Frauen und Männer aus dem gut situierten Bürgertum, vor allem an der Kleidung als wohlhabende Besucher erkennbar. Der französische Soziologe Pierre Bordieux hat für die Untersuchung und Interpretation solchen Auftretens und Benehmens den Begriff Habitus entwickelt. Es dürfte sich lohnen, die Personen im Ausschnitt vergrößert genauer zu betrachten.
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